| Sebastian und Ilka / Reise-Mails Mittelamerika 2002 - Teil 5 |
| Hallo, ihr Lieben!
Sind inzwischen etwa 100km weiter im Norden, in Cobán. Kurze Zusammenfassung: VOLCAN PACAYA (2600m): Anfahrt mit dem Bus bis auf 1800m, dann zwei Stunden bergauf mit Gruppe und Fuehrern ("Algunos que no hablan espanol.... van apprender"). Etwa 1h in staubigem Wald, dann ploetzlich in Lavageroell. Man sieht jetzt den Gipfel, und man sieht es rauchen. Wir sind jetzt ungefahr auf Hoehe der untersten Wolken. Der Weg fuehrt ueber einen schmalen Grat, Wolken schieben sich muehsam von einer Seite auf die andere. Alles sieht ein bisschen nach Mondlandschaft aus. Dann beginnt der letzte Anstieg (erst haben wir ueber die paar Leute mit Wanderstoecken gelacht...). Der Aufstieg fuehrt durch Asche und Geroell, das unendlich tief ist. Wenn man nicht aufpasst, versinkt der ganze Fuss bis weit ueber den Knoechel darin. Bei jedem Schritt rtutscht man fast alles wieder zurueck, man kommt sich vor, wie auf einem Fitnessgeraet, laufen ohne vorwaerts zu kommen. Nach ein paar Hoehenmetern fangen die Wolken an, dichter zu werden, ausserdem kann man Schwefel riechen. Wir probieren, auf allen Vieren besser voranzukommen, bringt aber nicht viel. Je hoeher wir kommen, desto ruhiger wird die Gruppe, da jeder immer mueder wird und der Gipfel immer noch nicht in Sicht ist. Man kann immer weniger sehen, erst verschwinden die vordersten Leute, dann sieht man schliesslich kaum mehr 2m weit. Mit der schlechter werdenden Sicht nimmt der Gestank immer mehr zu, es ist ekelhaft, wir halten uns Taschentuecher vor den Mund. Schliesslich wird alles weiss, wir laufen hoechstens 2m auseinander, aber nicht einmal die Silhuette des Anderen ist auszumachen. To be continued... (Das Internetcafe macht grad zu) |
| Moin moin,
weiter im Text: Wir befinden uns inzwischen ein ganzes Stueck dichter am Gipfel, Sehen kann man allerdings nichts und es stinkt bestialisch. Der dichte Qualm scheint auch saemtliche Geraeusche um einen herum abzuschirmen, man hoert die eigenen Schritte und seinen Atem ueberlaut, sonst gar nichts. Es ist irgendwie unheimlich. Ploetzlich laufen Hunde um unsere Fusse, erst einer, dann noch einer, dann zwei weitere. Wovovn die hier wohl leben (Touristen??). Wahrscheinlich schon. Wir haben spaeter jedenfalls auch einen gefuettert. Dann hoeren wir von weiter oben eine Trillerpfeife, der Fuehrer ruft die Gruppe zusammen. "Mucho gas, mucho gas" sagt er und hat damit zweifelsfrei recht. Deswegen duerfen wir auch nur fuer 10min auf den Gipfel direkt oberhalb von uns. Dort wird der Gestank noch ekelhafter, der gelbliche Rauch beisst in der Lunge und in den Augen. Die ganze Gruppe hat ihre Jacken oder Tuecher vor dem Mund, wenn eine dicke Wolke einen erreicht, muss man sich hinknien, auf dem Boden geht es etwas besser. Dann geht der Weg (der Boden ist besser hier oben) nicht mehr weiter. Alles ist weiss und eher wenig beeindruckend. Kurz buecken und ein (warmes) Steinchen vom Gipfel aufheben, der Fuehrer pfeift und alle gehen wieder zurueck (Anm: Ist das politisch korrekt??). Wieder unterhalb des Gipfels fuhert man uns auf die andere Seite, hier hat man ein bisschen Ausblick. Einer der Fuehrer buddelt im Boden und gibt jedem eine handvoll heisse Erde, erklaert, dass man mit ein bisschen buddeln sogar kochen koenne. (Vielleicht ernaehren sich die Hunde ja auch so, haha). Dann reissen die Wolken etwas auf, man hat einen schoenen Ausblick auf der anderen Seite, alle machen ein Foto, jemand sagt "rapido, rapido" und alle lachen. Ploetzlich dreht der Wind und der Fuehrer schickt wieder alle auf den Gipfel, diesmal voellig ohne Qualm. Jetzt sieht man, dass wir vorher schon direkt am Krater gestanden hatten. Vor uns oeffnet sich ein gewaltiges Loch, zerklueftete Waende, Rauch kommt mit irrwitziger Geschwindigkeit hochgeschossen. Man kann die Hitze von unten spueren, der ganze Krater und auch der Boden um uns herum besteht aus roter Lava (kalt natuerlich). Sieht klasse aus, haben auch reichlich Fotos. Dann geht´s wieder runter und das hat wirklich Spass gemacht: Jetzt zeigt sich, dass das feine Geroell auch seine guten Seiten hat. Der Guide hattte es schon angedeutet, aber es ist wirklich irre. Man rutscht uund schlittert herunter, das sackende Geroell gibt einem aber abwaerts einen sehr sicheren Stand. Es ist sogar moeglich, den Berg im Laufschritt herunter zu rennen! Was hoch mehr als 30 min gedauert hat, dauert runter hoechstens fuenf. Ilka meint, gaebe es einen Lift, wuerde sie sofort wieder hoch. Dann setzt die Daemmerung ein, noch ueber den Wolken ist das sehr beeindruckend, leider zu dunkel zum fotografieren. Im Wald holen alle ihre Taschenlampen raus, unsere sieht in der staubigen Luft aus wie ein Lichtschwert. Wieder ganz unten laufen uns kleine Kinder entgegen, wollen uns kalte Cola und kaltes Bier verkaufen. Kaltes Bier. "¿Cuanto es una cerveza fria? ... ¿ocho Quetzales? .. Esta bien, gracias." Na denn Prost! Wecker um 6:30, Weiterfahrt nach Coban. BIOTOPO DEL QUETZAL Schon wieder um 6:30 aufstehen, da wir einen fruehen Bus kriegen wollen. Etwas essen, dann Haltestelle suchen. Leute fragen, Haltestelle woanders suchen. Wieder Leute fragen, wieder woanders, Bus verpasst, scheisse. Kriegen schliesslich einen Bus um 10 Uhr, haetten auch laenger schlafen koennen, Busfahrt etwa 1h. Das Biotopo del Quetzal ist ein gigantisch grosses Reservat fuer diese schoenen Voegel (nationalvogel von Guatemala und Landeswaehrung), ein kleiner Teil davon ist begehbar. Allgemein laesst sich sagen, das die Landschaft hier weiter noerdlich sich total veraendert hat, alles ist viel gruener, nicht mehr so staubig braun. Ilka sagt, es sieht ein bisschen wie in den Alpen aus, nur viel heisser. Im Biotop ist alles nochmal gruener, es handelt sich um einen sog. "Cloudforest", wahrscheinlich ist der einzige Unterschied zu einem Regenwald der, dass es nicht so oft regnet und dafuer morgens immer ein dichter Nebel ueber dem Wald liegt. Viele Fotos, dafuer aber keine Quetzale, obwohl wir welche gehoert haben (und zuerst fuer Kuckucke gehalten haben). Zum einen sind sie extrem scheu, zum anderen Lief gleichzeitig mit uns eine laermende Grossfamilie durch den Wald. War aber trotzdem sehr schoen. LAS GRUTAS DE LANQUIN Wecker klingelt um 5:00 (!!!), 3 h Busfahrt. Die Hoehlen waren sehr beeindruckend, gigantische Hallen mit Opferaltar und Dingern die von der Decke wachsen (Stalagmiten? Stalagtiten?), die anderen gab´s kaum, wahrscheinlich ist jeder Tropfen vorher verdunstet. Die Hoehlen hatten etwas von der Stimmung von Moria (Herr der Ringe), wir waren auch allein drinnen. Der Boden war extrem Rutschig durch feuchten Lehm auf den Felsen, manchmal auch klebrig, wie wenn man auf verschuetteter Cola laeuft. Leider konnte man nur die ersten paar hundert Meter des mind. 3 km langen Netzwerkes begehen, aber trotzdem schoen. Wieder im Ort haben wir (nachdem wir schon den Busfahrer auf der Hinfahrt gefragt hatten) zwei verschiedene Bewohner und auch noch einen entgegenkommenden Busfahrer gefragt, wann der naechste und letzte Bus zurueckfuehre. Alle sagten uns das Gleiche, wir hatten noch uber eine Stunde Zeit, ausserdem auch noch Hunger. Also ab ins naechste Comedor (so was wie ein kleines Restaurant, mehr dazu demnaechst) und ein almuerzo (Mittagessen) bestellt. Trinken gerade gemuetlich unsere Getraenke, die Koechin macht das Essen, als draussen der Bus vorbei faehrt, eine Stunde zu frueh. Ilka rennt raus, fragt, es gibt wohl auch noch einen spaeteren Bus, irgendwann, vielleicht. Hin und her gerissen, aber wir wollten lieber nichts riskieren. Weicke legt 10 Q auf den Tisch (etwa das Doppelte was die Getraenke kosten, etwa ein Drittel der Gesamtsumme, hat aber sonst nur grosse Scheine), schnappt die Getraenke und wir rennen zum Bus. Haben ein schlechtes Gewissen und fuerchten den ganzen Weg aus dem Ort, das uns die Koechin mit dem Kochloeffel hinterergerannt kommt. Spaeter, als wir an einer Baustelle warten muessen, tauchen hinter uns noch zwei weitere Busse der selben Strecke auf, soviel zum Fahrplan..... Sind inzwischen noch weiter im Norden in Peten, in der Stadt Flores (bestimmt im Schulatlas enthalten). Mussten dazu wieder um fuenf aufstehen. Haben aber ein schoenes Hotel direkt am See mit eigenem steg zum Schwimmen! (Und mit eigener warmer Super-Dusche). Fahren morgen nach Tikal. Dazu und zu den abenteuerlichen Busfahrten und Bussen beim naechsten mal mehr(jaja, mal wieder vertroesten...). Weicke und Ilka |
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